BACK
JOHANNES MUELLER JAZZ MILE

CHRISTOPH SCHÖPSDAU

Die Inspiration zu diesem doch sehr ungewöhnlichen Projekt bekam der Komponist und Pianist Christoph Schöpsdau nach einem Vortrag über gregorianische Musik im Kloster Lorsch vor einigen Jahren. Schnell war er infiziert von der Idee, gregorianische Chorgesänge in einen Jazz-Kontext zu setzen. Aber nicht einen Chor musikalisch zu begleiten, nein, sondern sich intensiv mit der musikalischen Materie auseinander zu setzen war Schöpsdaus Intention. So dienen nun die gregorianischen Gesänge als Ausgangspunkt für grenzüberschreitende Neuinterpretationen, die von Jazz oder auch Weltmusik beeinflusst sind, aber sich einer eindeutigen stilistischen Zuordnung entziehen, was die stilistische Vielseitigkeit der Band auch deutlich macht. Die Originalmelodien wurden rhythmisiert und mit passenden Akkorden bzw. Grooves oder synthetischen Klängen unterlegt. Dazu wurden dann Intros und Outros komponiert. So entstanden im Prinzip instrumentale „Re-Kompositionen in einem Jazzkorsett“. Die harmonische und rhythmische Offenheit gregorianischer Hymnen bietet viel Spielraum für einen kreativen Umgang mit dem Material, ihre Bezogenheit auf bestimmte Kirchentonarten (Modi) korrespondiert mit modernen Improvisationstechniken. So entwickelt die Gruppe, deren Mitglieder ihre musikalischen Wurzeln im Jazz haben, auf Basis der überlieferten Gesänge spannende aktuelle Bearbeitungen, welche sich teilweise auch durchaus eng am Original orientieren. Die interessante Instrumentierung rückt die Gesänge in ein gänzlich neues Licht, zudem sind Improvisationen über das Material wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Um den Gregorianik-Bezug zu betonen, wurden bei einigen Stücken die Original-Gesänge integriert. Bei der Auswahl der Stücke stand Schöpsdau der Musikwissenschaftler Christoph Münch zu Seite.